Bis 2030 fehlen 3 Millionen seniorengerechte Wohnungen

Bis zum Jahr 2030 müssten in Deutschland um die drei Millionen altersgerechte Wohnungen neu gebaut oder seniorengerecht saniert werden. Das ergab zumindest die Studie des Pestel-Instituts im Auftrag des Bundesverbands Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB), die auf der BAU-Fachmesse in München vorgestellt wurde. Demnach wird bezahlbarer Wohnraum knapp, vor allem für Senioren, da die deutsche Bevölkerung zunehmend altert.

Altersarmut soll steigen

Matthias Günther vom Pestel-Institut sagt voraus: „Wenn die geburtenstarken Jahrgänge in den kommenden Jahren in Rente gehen, steuert Deutschland auf eine ‚graue Wohnungsnot‘ zu.“ Zwar gibt es keine amtliche Statistik, die den aktuellen Bestand an barrierefreien und altersgerechten Wohnungen offenlegt, aber die Experten sehen schwarz. Der Anteil von derzeit drei Prozent an Senioren, die für ihren Lebensunterhalt auf staatliche Unterstützung angewiesen sind, soll laut Prognosen in den kommenden Jahren auf 25 bis 35 Prozent steigen. Das würde bedeuten, dass gut jeder vierte Rentner von Altersarmut bedroht ist.

Bezahlbare Seniorenwohnungen sind Mangelware

Die Wurzel des Problems liegt darin, dass kleinere Wohnungen in den meisten Fällen teurer sind als die Wohnungen oder Häuser, in denen die Betroffenen schon seit Jahren oder Jahrzehnten leben. Gerade in Städten trifft dies häufig zu, weshalb er Auszug aus den eigenen vier Wänden für Senioren oftmals sogar einen Wechsel der Heimatstadt bedeuten würde. Gerade deshalb bleiben Senioren gerne im alt bekannten Heim. Da dies meist größer ist, als es für die Bedürfnisse der einzelnen eigentlich sein müsste, wird vorhandener Wohnraum quasi „verschwendet“, zum Beispiel für Familien oder Alleinerziehende und deren Kinder. Daraus entsteht wieder Wohnungsnot und diese führt zur Überbelegung von Wohnungen. Ganze sieben Prozent der Bevölkerung waren im untersuchten Jahr 2017 davon betroffen. Eine erschreckende Zahl, und das obwohl Deutschland im europaweiten Vergleich gar nicht so schlecht ausfällt.

Deutschlands Bevölkerung altert

Experten zufolge leben gerade mal fünf Prozent der Älteren in seniorengerechten Wohnungen, was wie erwähnt vor allem daran liegt, dass diese für die meisten nicht bezahlbar sind. Steigende Mieten und sinkende Renten tragen ihren Teil natürlich dazu bei. Es besteht kein Zweifel: bezahlbare, altersgerechte Wohnungen müssen gebaut und Bestandsimmobilien entsprechend umgebaut werden, vor allem da die deutsche Bevölkerung zunehmend altert.  Ab 2035 werden rund 24 Millionen Menschen in Deutschland 65 Jahre alt oder älter sein, das sind etwa sechs Millionen mehr als heute.

Rund 500 Millionen Euro wären jährlich an Fördergeldern für Sanierungen, Neubauten und Modernisierungen nötig, um bis 2030 ausreichend bezahlbare Wohnungen für Senioren zu schaffen, so die Experten. Würde dies gelingen, könnte oftmals an anderer Stelle gespart werden. Statt der teuren stationären Pflege im Heim, käme ein ambulanter Pflegedienst in Frage. Dieser wäre rund 8.500 Euro günstiger pro Jahr.

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