Der Kampf um die Schrebergärten

Ganze 910.000 Schrebergärten werden in Deutschland von insgesamt 900.000 Hobbygärtnern betreut, also von ungefähr einem Prozent der Bevölkerung. Insgesamt nehmen sie ungefähr die Größe Kölns ein, ein Schrebergarten misst im Durchschnitt 370 Quadratmeter. Viele Gartengrundstücke werden von Generation zu Generation weitergegeben und es gibt Wartelisten, da Gemüsebeete und Gartenzwerge gerade in Großstädten oft herbeigesehnt werden. Doch jetzt geraten die Hobbygärtner in Bedrängnis. Durch herrschende Wohnungsnot in Ballungszentren musste bereits der ein oder andere Schrebergarten weichen, da Städte die Fläche bebauen und damit neuen Wohnraum schaffen wollen.

Verdrängung am Beispiel Berlin

Berlin gilt mit mehr als 70.000 Parzellen als deutsche Schrebergarten-Hochburg. Doch was für Berliner aller Altersgruppen und Schichten die Auszeit von der beschäftigten Stadt bedeutet, ist Investoren ein Dorn im Auge, da der begrünte Platz bebaubare Fläche einnimmt. Der Berliner Projektentwickler Arne Piepgras beispielsweise ruft auf, „dem Kleingartenirrsin ein Ende zu bereiten und für eine soziale und familiengerechte Stadt einzutreten“. Den Hobbygärtnern der Kleingartenanlage am Kienberg in Berlin-Marzahn kommt das nicht in die Tüte. Hier wird Zusammenleben großgeschrieben, zwischen den Nachbarn herrscht ein gemütliches Miteinander, auch in Form von Pflanzentauschbörsen und Sommerfesten. Genau deshalb hat die Anlage erst vor kurzer Zeit den ersten Platz im Bundeswettbewerb „Gärten im Städtebau“ belegt. Hier wurde nämlich erkannt, dass Akzeptanz der Bevölkerung nur kommt, wenn man Offenheit an den Tag legt und auch Besucher jederzeit in den Schrebergärten willkommen heißt.

„Intelligente Nutzung“ als Kompromissvorschlag

Die Verdrängung von Schrebergärten ist allerdings nicht nur in Berlin ein Thema, sondern in nahezu allen deutschen Metropolen mit Bevölkerungszuwachs, unter anderem auch München, Köln, Hamburg und Frankfurt am Main, so der Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Gartenfreunde, Stefan Grundei. Als Kompromiss schlägt er vor, die Größe der einzelnen Schrebergärten zu reduzieren, um quasi die gleiche Anzahl an Gärten auf der Hälfte der Flächen zu bekommen und somit Platz für Bebauung zu schaffen. Mit seiner „intelligenten Nutzung“ verspricht er aber, dass die Anzahl der Parzellen insgesamt bestehen bleiben müsse, notfalls auch auf Ersatzflächen.

Klimaforscher und Stadtplaner allerdings sehen das Aufgeben von Schrebergärten als wenig sinnvoll an. Die Wohnungsnot sei zwar akut, auf lange Frist seien die Kleingärten aber wichtig. „Je dichter eine Stadt nämlich bebaut ist, desto höher wird der Hitzeeffekt.“, wie Jürgen Kropp vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung warnt. Schon jetzt lässt sich nämlich erkennen, dass die Zahl der Hitzetage in Städten doppelt so hoch ist wie in ländlichen Gebieten. Gerade deshalb sind Grünflächen in Form von Schrebergärten besonders wichtig, da sie als Verdunstungsflächen einen Kühleffekt haben.

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