Die Deutschen kaufen keine neuen Möbel

Im letzten Jahr ging der Bruttoumsatz der Einrichtungsbranche um ganze zwei Prozent zurück. Und das obwohl die Voraussetzungen besser kaum sein könnten. Die Arbeitslosenquote so gering ist wie nie zuvor seit der Wiedervereinigung, die durchschnittlichen Einkommen steigen, ebenso wie die Neubautätigkeit. Wo also liegt das Problem?

Viele Deutsche sind unzufrieden mit ihrer Einrichtung

Eine aktuelle Umfrage des Allensbach-Instituts ergibt, dass ganze 19 Millionen Deutsche mit ihrer aktuellen Einrichtung unzufrieden sind, 28 Millionen weitere denken zumindest darüber nach, sich neue Möbel anzuschaffen. 46 Prozent der Unzufriedenen hätten gerne eine neue Couch, 43 Prozent wünschen sich eine neue Küche, 40 Prozent könnten sich neue Lampen vorstellen und jeder Dritte glaubt, dass ein neues Bad angebracht wäre. Jan Kurth, Geschäftsführer des Verbands der Deutschen Möbelindustrie (VDM) sieht Potenzial. Hunderte mittelständische Möbelhersteller setzten ihre Hoffnungen auf bessere Geschäfte in die größte Möbelmesse der Welt, die „imm cologne“ in Köln.

Ist die Einrichtungsbranche selbst schuld?

Experten sehen das fortschreitende Scheitern der Einrichtungsbranche als selbstverschuldet an. Immerhin werden selbst bei langlebigen Möbelstücken Trends verfolgt und der Sprung von Retro zum modernen Minimalismus passiert zum Teil innerhalb einer Saison. Außerdem lassen Rabattschlachten Kunden das Möbelhaus immer mit Fragezeichen in den Augen verlassen. Wieviel kostet es woanders? Oder wird es in einem Monat beim Mid Season Sale noch günstiger sein? Dabei ist das Geld den Käufern längst nicht mehr das wichtigste in Sachen Einrichtung. Während 2001 noch 58 Prozent der Käufer Wert auf günstige Preise legten, sind es aktuell nur noch 45 Prozent. Der Faktor Bequemlichkeit stieg allerdings von 59 auf 67 Prozent, die Wichtigkeit des Designs ging von 64 Prozent auf ganze 73 Prozent nach oben.

Obwohl die Deutschen 2018 unterm Strich knapp 33 Milliarden Euro für ihre Einrichtung bezahlt haben, sinkt der Umsatz erstmals seit Jahren. Kurth erweckt Grund zur Annahme, dass dies daran liegt, dass die Deutschen ihren Fokus im vergangenen Jahr wohl auf andere Konsumgüter gesetzt haben und die Einrichtung schlicht und einfach weniger wichtig war: „Reisen, Caravans und E-Bikes stehen derzeit offensichtlich höher im Kurs bei den Verbrauchern.“

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