Die Deutschen ziehen zurück in die Provinz

Noch vor einigen Jahren waren ganze Gegenden Deutschlands von Abwanderung gekennzeichnet, heute werden die leerstehenden Immobilien auch in der Provinz wieder rar. Dies liegt daran, dass Deutsche längst nicht mehr nur in Städten nach Wohnraum suchen, sondern auch im suburbanen Umland oder wie erwähnt sogar in der Provinz. Dahingegen hat sich die Nachfrage in ländlichen Gebieten in den letzten fünf Jahren drastisch verändert.

Was sind die Gründe?

Ein driftiger Grund für die vermehrte Abwanderung in die Provinz ist natürlich der Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Städten und Ballungszentren. Gerade für Familien ist es oft schwierig, Immobilien mit genügend Platz zu tragbaren Preisen zu bekommen. Doch in vielen Fällen ist die Stadtflucht auch einfach präferenzbedingt. Wer lange Zeit in der Stadt verbringt, sehnt sich oft nach grünen Oasen, im besten Fall dem eigenen Garten und der unverwechselbar heimeligen Atmosphäre von Dörfern und Kleinstädten. Immerhin wird man selbst in den größten und hektischsten Städten im Biergarten unter Bäumen bedient oder legt sich in den Park, um sich etwas Auszeit vom Stadttrubel zu gönnen.

Damit einhergehende Probleme für die Provinz

Doch die zunehmende Abwanderung bringt auch einige Nachteile für Städte und Dörfer in der Provinz mit sich. Gerade die günstigen Finanzierungen und der verhältnismäßig günstige Baugrund macht Neubauten attraktiver als bereits bestehende Gebäude, was langfristig gesehen zu neuen Leerständen führen könnte, gerade in historischen Innenstädten und Dorfzentren. Da der Leerstand dieser Immobilien laut Experten allerdings nur Häuser und Wohnungen betreffe, die dem heutigen Standard einfach nicht mehr gerecht werden, sei das Eintreffen dieses Szenarios dahingestellt und in naher Zukunft nicht absehbar. Fakt allerdings sind die steigenden Mieten. Einwanderung von Immigranten und der Trend zur Binnenwanderung beziehungsweise zur Stadtflucht drücken die Mieten selbst in der Provinz nach oben, da Wohnraum gefragt ist und insgesamt knapper wird.

Einige Landkreise bauen zu viel

Laut einer Studie des Marktforschungsinstituts Empirica müssten deutschlandweit rund 151.000 neue Ein- und Zweifamilienhäuser in der Provinz gebaut werden, um der Nachfrage gerecht zu werden. Einige wenige Landkreise bauen allerdings mehr nötig. Hier entstehen mehr Eigenheime als nach Zukunftsprognosen bezüglich Bevölkerungswachstum und Wanderungsbewegung langfristig als nötig erachtet wird. Die News-Website „Welt“ spricht von „Leerstand von morgen“. Betroffen sind unter anderem die Landkreise Kaiserslautern und Kusel in Rheinland-Pfalz, die Landkreise Börde und Jerichower Land in Sachsen-Anhalt, sowie Hildburghausen in Thüringen.

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