Entziehung des Wohnungseigentums bei Bruchteilseigentum

Besitzen mehrere Personen eine Sache, so ist laut Bundesgesetzbuch (BGB) nach deutschem Zivilrecht von Bruchteilseigentum, beziehungsweise von Miteigentum von Bruchteilen die Rede. Besitzen also mehrere Personen eine Immobilie, so sind sie Bruchteilseigentümer. Zu erwähnen ist allerdings, dass die Verfügung der Sache im Ganzen nur durch Bevollmächtigung oder Einverständnis aller Bruchteilseigentümer passieren darf.

Der Härtefall

Die Entziehung des Wohnungseigentums ist trotzdem unter bestimmten Aspekten möglich. Ein Fall aus München beschreibt ein Ehepaar, beide sind Mitglied einer Wohnungseigentümergemeinschaft und je zur Hälfte Bruchteilseigentümer einer Wohnung, die sie selbst bewohnen. Der Ehemann hatte wohl Treppenhaus und Briefkästen seiner Nachbaren mit rassistischen Äußerungen beschmiert, darüber hinaus kam es sogar zu Körperverletzungen. Als nach mehreren Abmahnungen seitens der Wohnungseigentümergemeinschaft kein verbessertes Verhalten erzielt wurde, beschlossen die anderen Parteien in einer Eigentümerversammlung vor Gericht zu gehen, um dem Mann sein Bruchteilseigentum zu entziehen. Eine Veräußerung der Wohnsache wurde vor gefordert, blieb allerdings bis zum Verstreichen der Frist erfolglos. Sowohl der Mann als auch seine Frau wurden vom Amtsgericht zur Veräußerung des Wohneigentums verurteilt.

Außer…

Die Frau des Verurteilten beharrt auf ihr Bruchteilseigentum. Das Gericht gibt ihr recht, immerhin hatte sie sich bislang an die Richtlinien einer ordentlichen Miteigentümerin gehalten. Doch der Fall gestaltet sich schwieriger als gedacht. Aufgrund der Revision der Klägerin wurde erneut nachgehakt. Tatsächlich ist das Gericht berechtigt, die Entziehung des Bruchteilseigentums von beiden Eigentümern durchzusetzen. Die Frau dürfe lediglich weiterhin über das Eigentum verfügen, sollte sie das Bruchteilseigentum ihres Mannes übernehmen und ab sofort als alleinige Eigentümerin der Sache gelten. Außerdem müsste der Mann sich dauerhaft und einschränkungslos aus der Wohnung entfernen. Alle aufkommenden Kosten hätte die Eigentümerin nun alleinig zu tragen.

Die Kompliziertheit der Lage

Im Großen und Ganzen reicht also das Fehlverhalten eines Eigentümers aus, um alle Eigentümer zur Veräußerung zu verpflichten. Die Paragraphen 18 und 19 im Wohnungseigentümergesetz (WEG) regeln Fälle wie diesen mit der Begründung, dass Eigentümer in der Lage sein sollen, „Störenfriede“ aus der Gemeinschaft zu entfernen und den Gemeinschaftsfrieden aufrecht zu erhalten. In einigen Fällen kommt es zur Zwangsversteigerung der Immobilie, meist ist die Lage allerdings relativ kompliziert. Beschränkt sich der Anteil auf Entziehung nämlich nur auf das Bruchteilseigentum des Störers, so ist dieser für Bieter meist uninteressant.

Menü