Mitarbeiterwohnungen: Wenn der Chef zum Vermieter wird

Als Mitarbeiter von vielen Konzernen genießt man gewisse Privilegien. Neben Handy, Laptop und Geschäftswagen, die als die beliebtesten Gadgets gelten, wollen einige Firmen jetzt noch weiter gehen und zwar mit folgendem Angebot: der Mitarbeiterwohnung. Was in Deutschland eigentlich als schon lange nicht mehr üblich gilt, soll jetzt der Wohnungsnot in Ballungszentren entgegenwirken.

Comeback der Industrialisierung

Die Mitarbeiterwohnung galt in Deutschland eigentlich vom Aussterben bedroht. Das Prinzip „Werkswohnung“ war vor allem in der Industrialisierung im 19. Jahrhundert bekannt und beliebt, als Arbeitgeber ihren Mitarbeitern bessere Wohnverhältnisse bieten wollen. Nach dem Krieg wurde alles allerdings etwas schwierig, die Mitarbeiterwohnungen brachten mehr Last als Profit. Nun aber erfreut sich das Prinzip wieder zunehmend an Beliebtheit. Vereinzelte Firmen wie BASF oder die Stadtwerke München hielten die Behausung für ihre Angestellten tatsächlich über die Zeit aufrecht, während beispielsweise Bosch oder Audi erst in den letzten Jahren auf den Geschmack der Mitarbeiterwohnung kamen. Vom Vermieten einer Mitarbeiterwohnung machen also in der Regel größere Konzerne Gebrauch.

Mitarbeiterwohnung als Marketing-Instrument

Indem eine Firma mit einer Mitarbeiterwohnung um sich wirbt, hat sie natürlich in allererster Linie den Plan, qualifizierte Fachleute anzulocken. Gerade in Städten und Stadtteilen mit vielen Konzernen herrscht nämlich Konkurrenzkampf um Fach- und Führungskräfte. Kommt das Jobangebot also nicht nur mit Firmenwagen und exklusivem Smartphone, sondern auch mit einer Wohnung, deren Preis deutlich unter der ortsüblichen Durchschnittsmiete liegt, so ist dies natürlich mehr als verlockend für die Arbeitskräfte. Wird der Chef zum Vermieter, kann man in manchen Aspekten natürlich von Segen, in anderen allerdings von Fluch reden. Wird das Arbeitsverhältnis nämlich beendet, so endet in der Regel auch das Mietverhältnis. Wird dies zum Einzug in die Mitarbeiterwohnung nicht eindeutig geklärt, so verliert der ehemals Angestellte nicht nur seinen Job, sondern mir nichts dir nichts auch sein Dach über dem Kopf. Vorsicht ist also geboten! In diesem Falle fragt man beim Vertragsabschluss lieber einmal zu viel nach als einmal zu wenig.

Dass viele Konzerne in den letzten Jahren begonnen haben, Wohnblocks für ihre Mitarbeiter errichten zu lassen, ist also eigentlich nur von Vorteil für die Angestellten. Die in der Regel bereits möblierte Mitarbeiterwohnung mit vergleichsweise günstigen Mietpreisen ist sicherlich für viele nicht uninteressant. Und da viele Konzerne weder Kosten und Mühen scheuen und die Wohnungen stellenweise fünf Zimmer haben, hat die ganze Familie Platz und kann perfekt mit dem Job unter einen Hut gebracht werden.

Menü