Mobilität im Wohnquartier

Wie mobil Menschen sind, entscheidet sich in den eigenen vier Wänden. Immerhin starten und enden hier rund 80 Prozent aller Wege in Deutschland. Deshalb arbeiten Wohnungsunternehmen, Kommunen und Mobilitätsdienstleister gemeinsam an mehr Mobilität im Wohnquartier. Die Konzepte sollen in erster Linie intelligent, umwelt- und sozialverträglich sein. Das will zumindest der neue Kooperationsansatz im Projekt „Wohnen leitet Mobilität“, das der Verkehrsclub Deutschland (VCD) gemeinsam mit den Partnern Öko-Institut und Deutscher Mieterbund noch bis Ende 2019 bearbeitet.

Zugang zu Verkehrsmitteln in unmittelbarer Nähe zum Wohnquartier

Ein wichtiger Faktor in Punkto Mobilität ist die unmittelbare Nähe von öffentlichen und vor allem nachhaltigen Verkehrsmitteln zum Wohnquartier. Je näher diese Verkehrsmittel nämlich sind, desto attraktiver scheinen sie den Bewohnern und werden wiederum viel häufiger genutzt. Gut ausgebaute Wegnetze für Fuß- und Radverkehr sind also wichtig, genauso wie die Fußnähe zu Bus- und Bahnhaltestellen und der Zugang zu gemeinschaftlich organisierten Mobilitätsangeboten wie Carsharing, Verleih-Angeboten oder Mietertickets, um andere Transportmöglichkeiten als den eigenen PKW interessant zu machen. Das Projekt „Wohnen leitet Mobilität“ möchte genau hier ansetzen und macht sich zum Ziel derartige Angebote standortnah zum Wohnquartier zugänglich zu machen.

Energieeffizient Wohnen

Die Nachrüstung von Wohnquartieren zur energieeffizienteren Nutzung wurde in den letzten Jahren immer beliebter unter Wohnungsunternehmen. Darunter fallen unter anderem ausgeklügelte Lüftungssysteme und Dämmungen aber auch die Nutzung erneuerbarer Energien wie Solaranlagen. Außerdem ist deutschlandweit die Elektromobilität auf dem Vormarsch. Experten prognostizieren eine derartige Durchsetzung bis 2030, sodass alle Gebäude mit zwölf oder mehr Wohneinheiten mindestens einen Ladepunkt für Elektroautos benötigen würden. Auch die Verbreitung von E-Bikes nimmt zu. Mutmaßungen zufolge wird bis 2020 mindestens ein Mieter jedes Wohngebäudes ab sechs Wohneinheiten Besitzer eines solchen Fahrrads sein. Anhand dieser Zukunftsprognosen wird klar, wie sehr die Elektromobilität die Immobilienwirtschaft und die Wohnquartiere per se beeinflussen wird oder besser gesagt bereits beeinflusst. Diese Tatsache ist allerdings nicht nur ein wichtiger Schritt in Richtung Umweltschutz, sondern wird in Zukunft auch neue Geschäftsfelder und Ertragsquellen eröffnen.

Sowohl bei Neubauten als auch bei Bestandgebäuden gibt es deutschlandweit bereits einige Siedlungen, die mit gutem Beispiel vorangehen und beweisen, dass Entwicklungskonzepte für Wohnquartiere mit umfangreicher Mobilität gut gelingen können. Ein Beispiel hierfür ist die Gartenstadt Farmsen in Hamburg. Eine Carsharing-Station und einen E-Rad-Verleih sind hier für die Mitglieder direkt zugänglich, ebenso wie barrierefreie Fuß- und Fahrradwege, die bereits in den 1950er Jahren im ursprünglichen Konzept der Gartenstadt entstanden und seither geschätzt und bewahrt wurden.

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