Musizieren in der Wohnung erlaubt?

Erst im Oktober diesen Jahres ließ ein Fall in Augsburg Musiker ihre Ohren spitzen. Ein Mieter klagte über die Hausmusik seines beruflich Trompete spielenden Nachbarn. Ein Verbot wurde nicht ausgesprochen, obwohl der Kläger sich für einen gedämmten Proberaum aussprach

Was ist erlaubt?

Grundsätzlich gehört Hausmusik zu den Gebrauchsrechten eines Mieters und kann deswegen nicht vom Vermieter verboten werden. Der Mietvertrag und die Hausordnung geben aber oft Aufschluss darüber, welche Einschränkungen gelten. Hier werden also eventuelle Ruhephasen aufgeführt, an die sich Musiker halten müssen, ein generelles Spielverbot im Mietvertrag ist allerdings unzulässig, auch vor Gericht. Einzuhalten ist generell die Nachtruhe von 22 bis 7 Uhr, sofern nicht anders vertraglich vereinbart. In Fällen, die vor Gericht gehen halten Richter meist zwei bis drei Stunden Hausmusik am Tag für angemessen, am Wochenende ein bis zwei Stunden.

Wo wird unterschieden?

Bei Verboten und Einschränkungen darf die Qualität der Hausmusik zunächst keine Rolle spielen. Egal ob Anfänger oder Berufsmusiker, das Üben ist grundsätzlich erlaubt. Im Einzelfall wird aber sehr wohl unterschieden, um welches Instrument es sich handelt und wie stark die wahrnehmbare Lautstärke der Hausmusik ist. Während ein Saxophonist also wie bereits erwähnt in der Regel zwei bis drei Stunden gewährt bekommen würde, wären es bei einem Schlagzeugspieler (je nach Einzelfall) nur 45 bis 90 Minuten pro Tag. Zudem spielt die Hellhörigkeit des Hauses eine Rolle und auch mögliche Krankheiten der Nachbarn müssen berücksichtigt werden.

Exkurs

Führt man den Gedanken weiter, so darf der Vermieter sich anfangs natürlich nicht gegen jemanden entscheiden, nur weil derjenige vorhat in der Wohnung sein Instrument zu spielen. Schneidet man allerdings bereits bei der Wohnungsbesichtigung das Thema an, wie man sein Klavier am besten in den dritten Stock bekommt, könnte der Vermieter kritisch werden und sich im Zweifelsfall eventuell für andere Interessenten entscheiden. Dies muss nicht einmal aus reiner Abneigung gegen Hausmusik passieren, sondern lediglich als Vorbeugung vor Beschwerden der Nachbarn. Das Aufstellen eines Klaviers ist im Übrigen erlaubt. Bei einem Fall vor Gericht in Frankfurt bekam ein Musiklehrer Recht, sein Klavier in der Wohnung aufzustellen, entgegen dem Argument des Vermieters, er könnte Proberäume außerhalb der Wohnung aufsuchen.

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