Neue Geschäftsmodelle bedrohen Makler

Mit der Einführung des Bestellerprinzips 2015- wer den Makler beauftragt, bezahlt ihn- sahen Makler zunehmend ihre Existenz bedroht. Eine viel gravierendere Gefahr stellen allerdings neue Geschäftsmodelle dar, die die Digitalisierung mit sich bringt. Experten sprechen von einer Disruption.

Digitalisierungsprozess in der Immobilienbranche

Der Anfang des Digitalisierungsprozesses in der Immobilienbranche geht bereits Jahrzehnte zurück. Internetportale wie Immobilienscout24 lösen Makler zunehmend ab. Der Interessent kann sich bereits im Internet Exposés ansehen, Immobilien vergleichen und direkt über E-Mail oder Chat mit den Anbietern in Kontakt treten. Die Makler zogen nach. Eigene Websites in Kombination mit Onlinewerbesystemen kamen ihnen zur Kundenneugewinnung zugute, auch Online-Rundgänge durch die Immobilien wurden in den letzten Jahren immer gängiger.

PropTechs

Das Schlagwort der Bedrohung der Makler lautet PropTechs. Die Vereinigung von BigData, Apps und Analysetools war bislang auf andere Branchen wie zum Beispiel die Hotelsuche oder den Vergleich von Fluganbietern beschränkt. Jetzt sollen sie auf die Immobilienbranche übertragen werden. 3D-Visualisierungstools, Virtual Reality oder maßgeschneidertes Mieter-Vermieter-Matching werden vom Onlineportal „The property post“ als nur einige Beispiele genannt. Noch verfügen die Startups zwar nicht über die notwendige breite Masse, um Makler in die Enge zu drängen, das Potenzial ist allerdings da. Und es steigt. Bereits an Startups wie AirBnB kann man beobachten, wie die Digitalisierung allein die Hotelbranche auszustechen vermag. Und das allein durch eine einzige App.

Risiken dieser Wende?

Ausschließlich auf die Digitalisierung zu setzen wäre allerdings töricht, laut Geschäftsführer der Wüstenrot Immobilien GmbH Jochen Dörner. Informationen über Nachbarschaftsstreitigkeiten, Immissionen und Geschichte seien immer noch am besten von Fachleuten wiederzugeben. Die soziale Kompetenz und das breite Fachwissen der Makler könne von Datenbänken nicht komplett abgelöst werden. Auch eine sorgfältige Marktpreisentwicklung erfordert Recherche in Grundbüchern und Plänen, die genauso wie die technische Prüfung und Begutachtung der Immobilie nicht von den digitalen Alternativen erbracht werden kann. Dörner hält es für sinnvoll, wenn Maklern die Möglichkeit bleibt in die digitalen Programme einzugreifen und gegebenenfalls zu korrigieren.

Auch die Kundenakzeptanz der digitalen Programme ist in Deutschland noch nicht ganz gegeben. Viele vertrauen der Technik noch nicht komplett, weshalb noch fraglich ist, ob sich die Sorge der Makler für die Zukunft als begründet darstellt.

Menü