Passivhaussiedlung in Heidelberg

Ist man im baden-württembergischen Heidelberg am Neckar zu Besuch, so hat man die Möglichkeit, Zeuge einer ganz innovativen Entstehung zu werden. Im jüngsten Stadtteil „Bahnstadt“, der wie der Name schon nahelegt in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof liegt, entsteht die größte Passivhaussiedlung der Welt. 2022 soll die Siedlung, die rein aus Passivenergiehäusern besteht, fertiggestellt werden. Die Häuser selbst wirken gar nicht so besonders, tatsächlich könnte man sich die weißen Würfel in allen Neubaugebieten beliebiger Städte vorstellen.

Teile der Siedlung sind bereits bewohnt, die Resonanz ist positiv

Die ersten Familien zogen bereits 2012 in die Passivenergiehäuser der Bahnstadt ein, darunter Familie Schmidt, wie die Berliner Zeitung im November 2018 berichtete. Die Eltern mit ihren zwei Kindern und der Golden-Retriever-Hündin sind begeistert. Laut Volker Schmidt sind die Heizkörper zwar in fast allen Räumen vorhanden, werden aber quasi nie verwendet. Die Rede ist lediglich von circa zwei Tagen, in denen im vergangenen Jahr geheizt werden musste. Die Sonne, Kerzenlicht und sogar die eigene Körperwärme lösen in den Passivenergiehäusern die herkömmlichen Heizkörper ab. Die Häuser sind so gut gedämmt und so durchdacht belüftet, dass Heizen an sich meist gar nicht mehr nötig ist.

Wie funktioniert ein Passivenergiehaus?

Die Passivenergiehäuser in Heidelberg sind in keinster Weise ein Hexenwerk, lediglich die Dämmung macht hier den größten Unterschied. 30 Zentimeter dick gedämmte Außenwände machen den Anfang, die Dämmung auf den Decken der Passivenergiehäuser ist sogar noch dicker. Auch die Fenster sind dreifach verglast, die Fensterrahmen, die meist die größte Wärmebrücke bei Häusern darstellen sind so schmal wie möglich. Voraussetzung Nummer eins für ein funktionierendes Passivenergiehaus ist also der geringstmögliche Wärmeverlust. Voraussetzung Nummer zwei ist die effektive Nutzung von Wärmequellen, die theoretisch in jeder Immobilie vorhanden sind. Sei es Sonnenlicht, Wärmeabstrahlung von Haushaltsgeräten, Wärme durch Kerzenlicht oder sogar die eigene Körperwärme- in den Heidelberger Passivenergiehäusern wird alles genutzt. Damit das funktioniert, muss die gesamte Wärme in ein Wärmerückgewinnungssystem eingespeist werden, das rund 80 Prozent der Abluftwärme recycelt und damit die Frischluft aufzuheizen kann. Zudem gibt es in allen Räumen Düsen, die Frischluft verteilen und Absauger, die verbrauchte Luft einziehen. Im Keller befinden sich dann ein Wärmetauscher und eine Filteranlage, im Innenhof stehen zwei Metallsäulen, die den Eingang und den Ausgang der Luft bilden.

Nachhaltig und sparsam leben ist also nicht mehr Traum, sondern bereits Realität, wie am Vorbild Heidelberg ganz klar gezeigt wird. Es bleibt also nur zu hoffen, dass sich die Passivenergiehäuser an so großer Beliebtheit erfreuen, dass sie überall auf der Welt entstehen und im besten Falle vielleicht sogar herkömmlich beheizte Bauten ablösen.

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