Sind Wohntürme gegen die Wohnungsnot wirklich sinnvoll?

Dass es in Deutschland an Wohnungen mangelt, ist kein Geheimnis. Eine Lösung, die für viele auf der Hand liegt, wäre das Erbauen von Wohntürmen, wo zahlreiche Menschen unter einem Dach untergebracht werden könnten. Oft scheitern die nötigen Bauvorhaben an Bürgerentscheiden, weshalb die baden-württembergische Wohnungsbauministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) nun Bürgerentscheide zu Baugebieten überprüfen lassen will.

Es scheitert an Bürgerentscheiden

Ein altbekanntes Beispiel für Bürgerentscheide als Hindernis für mehr Wohnungen ist die Bebauung des Tempelhofer Feldes in Berlin, um die seit Jahren Streit herrscht. Die Interessen von Bürgern stehen im Konflikt zur Wohnungsnot in Deutschland, weswegen gemeinsam mit dem Innenministerium analysiert werden soll, „inwieweit Bürgerentscheide als Hemmschuh beim Wohnungsbau wirken“, so Hoffmeister-Kraut. Im Zuge dessen soll außerdem eine Vereinfachung der Landesbauordnung erfolgen, um schneller und kostengünstiger zu bauen. Experten zufolge fehlen beispielsweise im Südwesten rund 88.000 Wohnungen, für einen Ausgleich dieser erschreckenden Zahl müssten pro Jahr 65.000 Wohnungen neu gebaut werden.

Die Idee ist nicht neu

Bereits im Januar 2018 berichteten Medien davon, dass die fränkische Studentenstadt Erlangen ähnliche Ideen verfolgte, um Raum für mehr Wohnungen zu schaffen. Hier setzten sich SPD und die Grünen dafür ein, minder genutzte Flächen wie einstöckige Handelsgeschäfte oder großzügig gebaute Parkplätze aufzustocken oder zu überbauen. Die Bürger gaben der Politik recht, denn auch sie sahen in der Erlanger Bebauung „Potential zur Nachverdichtung“ und jede Menge Platzverschwendung. Allerdings legten sich hier andere Steine in den Weg, etwa, dass die erwähnten einstöckigen Gebäude überhaupt nicht zur Bebauung von weiteren Stockwerken aufgrund von geringer Tragfähigkeit geeignet wären. Alternativ die Gebäude abzureißen und durch Neubauten zu ersetzen wäre wieder eine Frage der Kosten. Und bei einer Bebauung von Parkplätzen müssten diese ja an anderen Orten zur Verfügung gestellt werden, ganz abgesehen davon, dass der Stadt in vielen Fällen sowieso die Hände gebunden sind, da derartige Flächen meist in privatem Besitz sind und es der Zustimmung des Eigentümers bedarf.

In den Medien wurde es ruhig um Erlangens Bemühungen, Wohnungen zu schaffen. Wo es allerdings geklappt hat ist beispielsweise im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg, wo auf dem Dach einer LIDL-Filiale Wohnungen entstanden. Experten loben diese Maßnahme. Studienleiter Karsten Tichelmann und weitere Wissenschaftler der Technischen Universität Darmstadt haben Luftbilder der größeren Städte Deutschlands angeschaut und nach Platz für Wohnungen gesucht. Dieser Studie zufolge könnten ohne einen Quadratmeter neuen Baulandes mehr als 1,2 Millionen Wohnungen gebaut werden. Es gilt nur, klug aufzustocken und Gebäude und Flächen effizienter zu nutzen.

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