Verbesserter Schallschutz ist keine Pflicht

Jeden Schritt aus dem oberen Stockwerk zu hören, ist natürlich lästig und störend. Jedoch herrscht bei Erneuerung des Fußbodens seitens des Eigentümers keine Pflicht, den Schallschutz zu verbessern. Dies beschloss vergangenes Jahr der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe im Zuge eines Falls, in den meisten Fällen darf sich die Lärmsituation allerdings nicht verschlechtern.

Der Fall

In besagtem Fall verklagte ein Wohnungseigentümer aus Hamburg seine Nachbarn wegen Trittgeräuschen, die seit dem Verlegen einer Fußbodenheizung im Bad der darüberliegenden Wohnung bei Weitem deutlicher zu hören waren als zuvor. Bei besagter Badsanierung wurden sowohl der Estrich als auch sämtliche Fliesenbeläge erneuert. Das Landgericht, das den Fall behandelte, forderte den Beklagten auf, die ursprüngliche Geräuschsituation wieder herzustellen- sprach sich also für den Kläger aus. Der BGH entschied ähnlich und verwies darauf, zwischen den jeweiligen Bausubstanzen der Immobilien zu unterscheiden. Sollte diese einem Neubau gleichkommen, beispielsweise beim Ausbau eines Dachstuhles so würden die strengeren Grenzwerte in Sachen Schallschutz gelten. In anderen Fällen soll laut BGH nur zumindest der vorherige Schallzustand wiederhergestellt werden. Übertragen auf den Fall gilt ein Grenzwert von 46 Dezibel, da die Immobilie aus dem Jahr 1990 stammt.

Argumentation des BGH

Als das Haus renoviert wurde galt der Standard von 2012, also 37 Dezibel. Obwohl sowohl 46 als auch 37 Dezibel als ziemlich leise gelten, so herrscht doch eine Differenz von ganzen neun Dezibel, die nahezu eine Verdopplung der Lautstärke bedeutet. Hierbei nahm die vorsitzende Richterin Christina Stresemann Bezug auf frühere Urteile des BGH, in denen es ähnlich wie beim vorliegenden Fall um Fußbodenerneuerungen ging, jedoch nicht wie beim Estrich um Gemeinschafts-, sondern um Sondereigentum. Schon in der Vergangenheit gab es Fälle, in denen lediglich Teppichboden gegen Parkett oder Laminat ausgetauscht wurde, was an sich schon einen verschlechterten Trittschallschutz bedeutete, auch wenn die Mindeststandards des jeweiligen Jahres eingehalten wurden. Immerhin müsse niemand einen Teppichboden behalten, nur weil er „mehr Schall schlucke“.

Grundsätzlich und unabhängig vom Urteil des BGH muss man sich bei Hochbauten allerdings an den Mindestschallschutz nach DIN 4109 halten. DIN 4109 regelt die „öffentlich-rechtlichen Mindestanforderungen an den Schallschutz zur Vermeidung von Gesundheitsgefahren“. In der Verordnung sind nicht nur Richtlinien zu finden, sondern auch Vorschläge für einen erhöhten Schallschutz bei der Nutzung technischer Haushaltsgeräte.

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