Wie deutsche Bauherren von der Brexit-Unsicherheit profitieren

Die Trennung von Großbritannien und der Europäischen Union ist noch längst nicht unter trockenen Tüchern. Wie der Brexit ausgeht steht noch in den Sternen. Klar ist allerdings, wer davon profitiert und das sind eindeutig die deutschen Bauherren. Schlecht sieht es dagegen für die Besitzer von Eigenheimen und Eigentumswohnungen im vereinigten Königreich aus, da die Immobilienpreise dort in letzter Zeit deutlich in die Tiefe gingen.

Marktwerte von Immobilien in Großbritannien sinken

Premierministerin Theresa May findet derzeit im Parlament keine Mehrheit für das von ihr mit der EU ausgehandelte Austrittsabkommen, weshalb die Sorge um einen sogenannten harten Brexit im Raume steht. In diesem Zuge könnte die Trennung Großbritanniens zur Europäischen Union am Stichtag, dem 29. März 2019 eher ungeordnet ablaufen und die Zollschranken könnten plötzlich fallen. Aus dieser täglichen Unsicherheit heraus zögern viele Briten derzeit beim Erwerb von Wohneigentum. Da das Angebot die Nachfrage dank der Brexit-Unsicherheit überragt, fallen die Marktwerte von Eigenheimen und Wohnungen seit geraumer Zeit. Die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt BBC sieht schwarz: „Der Brexit wird den Immobilienmarkt bis weit in das neue Jahr hinein verdüstern.“

Sinkende Renditen in Deutschland und der Schweiz

Aufatmen können dagegen Käufer von Eigenheimen und Eigentumswohnungen in Deutschland und der Schweiz. Die Kombination aus der Unsicherheit um den Brexit, Sorgen um eine Verschärfung der Staatsschuldenkrise in Italien und schwachen Wirtschaftszahlen aus China führte zu einer verstärkten Flucht der Investoren in deutsche Bundesanleihen und Pfandbriefe oder in Schweizer Staatsanleihen. Dies beeinflusst die Zinssätze der Hypothekarkredite. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen sank in den vergangenen Monaten von stellenweise 0,7 Prozent auf lediglich 0,23 Prozent. Ähnlich sah es auch bei Renditen von Pfandbriefen aus, mit denen Banken die von ihnen ausgereichten Immobilienkredite am Kapitalmarkt refinanzieren. Infolge dessen sanken die Immobiliendarlehen in Deutschland um ganze elf Prozent. In der Schweiz fielen die Zinssätze für zehnjährige Hypothekenkredite um mehr als sechs Prozent.

Keine Änderung in Sicht

Experten zufolge werden deutsche Bauherren und Wohneigentumserwerber noch für geraume Zeit von den Folgen Brexit-Unsicherheit profitieren, da die Nachfrage an Bundesanleihen und Pfandbriefen voraussichtlich erstmal bestehen bleibt. „Betrachtet man das Umfeld, das mit Brexit, Handelskonflikten und den Sorgen um Italien einige Unsicherheiten birgt, gehen wir für 2019 nicht von einer Trendwende und deutlich steigenden Zinsen aus.“, so beispielsweise Interhyp-Vorstandschef Jörg Utecht über die gegenwärtige Situation. Wie erwähnt werden allerdings Immobilienbesitzer in Großbritannien in nächster Zeit voraussichtlich weiterhin unter Druck geraten.

Menü