Wien: So schafft man Wohnraum für fünf Euro pro Quadratmeter

Österreichs Hauptstadt wehrt sich drastisch gegen steigende Mieten und das nun schon seit einigen Jahren. Für zwei Drittel aller Neubauten werden die Preise in der Bauordnung festgesetzt, damit günstiger Wohnraum entsteht. Damit setzt Wien ein aussagekräftiges wohnpolitisches Statement und wird für viele deutsche Städte zum Vorbild.

Neue Regelungen vom Wiener Landtag

Günstiger Wohnraum ist bekanntermaßen nicht nur in Deutschlands großen Städten Mangelware. Auch Wiens Bewohner kämpften mit hohen Miet- und Wohnungspreisen. Dagegen wurde allerdings in den letzten Jahren schon viel unternommen, beispielsweise in Form von strengen Vorgaben bei der Baulandvergabe. Nun allerdings wurden die Regeln vom Wiener Landtag nochmals verschärft. Künftig darf bei Neubauten nur noch ein Drittel der Wohnfläche frei finanziert werden, die anderen zwei Drittel sollen geförderten Wohnungen vorbehalten werden. Und für eben diese geförderten Wohnungen wird in der neuen Regelung eine Nettohöchstmiete von fünf Euro pro Quadratmeter vorgesehen.

Was bewegte die Politik zu diesen Maßnahmen?

Die geförderten Wohnungen mit ihrem günstigen Wohnraum fallen unter das Wiener Modell, das nach dem Zusammenbruch des Habsberger Reichs in Folge des ersten Weltkriegs von Sozialdemokraten erfunden wurde, um der aus dem Krieg hervorkommenden Wohnungsnot entgegenzuwirken. Der Anteil des geförderten Wohnbaus, der sich aber einst auf stolze 80 Prozent belief, nimmt jetzt nur noch ein Drittel ein, was ein wichtiger Grund für die Neuregelungen des Landtags darstellt. Ein weiterer Grund für die einzuleitenden Maßnahmen, um günstigen Wohnraum zu schaffen sind die durch Zuzug erhöhten Mieten. Jährlich ziehen um die 25.000 Menschen nach Wien, manchmal sogar deutlich mehr. Die Zuwanderer kommen zum Großteil aus anderen Teilen Österreichs, Deutschland und Osteuropa. Günstiger Wohnraum wird rar, die Mieten steigen. In Zuge dessen sah sich die Wiener Politik verpflichtet, einzuschreiten. Laut Grünen-Politiker Christoph Chorherr handelt es sich bei „Grund und Boden um ein besonderes Gut, das nicht vermehrbar ist“. Er sieht die Politik verantwortlich günstigen Wohnraum herzustellen und langfristig zu sichern.

Auch hier ließen sich also die Vorboten von zu teuren Immobilien auf den ersten Blick erkennen, doch Wien reagierte. Und reagiert immer noch. Ausnahmen für reiche Viertel lehnt der Landtag ab, günstiger Wohnraum soll also überall entstehen. Eingeschränkt wird die Regelung lediglich auf Neubauten, Aufstockungen von bereits bestehenden Gebäuden sollen nicht in geförderte Wohnungen umgewandelt werden. Und obwohl Kritiker befürchten, die beschlossenen Maßnahmen könnten den Wohnungsneubau zurück gehen lassen, werden die Regelungen Wiens wohl schon bald Früchte tragen. Und wenn es soweit ist, wird Österreichs Hauptstadt zum Vorbild für viele europäische Städte.

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