Windkraftanlagen mindern den Wert von Immobilien

Die Energiewende geht in Deutschland nur schleppend voran. Experten zufolge werden die bis 2020 gesetzten Ziele bei weitem verfehlt, da der Fortschritt sich in den vergangenen vier Jahren deutlich verringerte. 2017 zum Beispiel wurden nur 33 Prozent des Zielniveaus erreicht. Der Ausbau erneuerbarer Energien jedoch liegt weit über dem geplanten Niveau. Was auf den ersten Blick löblich erscheint, zieht jedoch einen bitteren Beigeschmack mit sich. Windenergieanlagen mindern den Wert von nahe gelegenen Immobilien nämlich erheblich.

Unfallrisiko macht Anwohner skeptisch

Bewohner fühlen sich zunehmend von Windenergieanlagen in unmittelbarer Nähe zum eigenen Zuhause gestört. Hauptgrund dafür könnte das Unfallrisiko sein, das die Energiequellen mit sich bringen. In einem Windpark nahe Süderholz an der Ostsee beispielsweise brach 2016 ein Windrad und stürzte in einen Acker. Von derartigen Geschehnissen hört man immer wieder, verletzt wurde aber bislang noch niemand. Unabhängige Prüfer sind der Meinung, dass Windenergieanlagen regelmäßig strengen technischen Kontrollen unterzogen werden müssen, die gesetzlich geregelt sind. Die angesetzte Laufzeit für Windräder beträgt zwar 20 Jahre, viele Windenergieanlagen sind allerdings schon länger im Gebrauch.

Studienergebnisse ermitteln erhebliche Wertminderung

Eine Studie des RWI-Leibniz Instituts für Wirtschaftsforschung kommt zu dem Ergebnis, dass Einfamilienhäuser in ländlichen Regionen bis zu 7,1 Prozent an Wert verlieren, wenn im direkten Umkreis von einem Kilometer Radius eine Windenergieanlage erbaut wird. Bei älteren Häusern kann der Wert ganze 23 Prozent sinken. Eine weitere Studie namens „Local Cost for Global Benefit: The Case of Wind Turbines“ analysierte rund drei Millionen Verkaufsangebote des Onlineportals ImmobilienScout24 zwischen den Jahren 2007 und 2015 und glich die Daten mit den Geodaten von circa 27.000 Windenergieanlagen ab. Die Ergebnisse sprechen für sich. Ländlich gelegene Immobilien im Umkreis von Windenergieanlagen verlieren größtenteils erheblich an Wert. „In absoluten Zahlen kann das einen Vermögensverlust für Hausbesitzer von mehreren zehntausend Euro bedeuten“, so RWI-Studienleiter Manuel Frondel. Bemerkenswert ist vor allem, dass „der Effekt auf null schrumpft“, sobald sich die Windenergieanlage in einem Abstand von acht bis neun Kilometern zur Immobilie befindet.

Anders sieht es allerdings in städtischen Gebieten Deutschlands aus. In der Stadtrandlage, also im zehn Kilometer breiten Gürtel um Großstädte herum werden die Rotoren der Windenergieanlagen nicht als störend empfunden, sondern eher als selbstverständlich, was daran liegen mag, dass hier sowieso bereits eine unruhigere Atmosphäre herrscht, als in der Idylle der ländlichen Regionen. Hier verlieren Immobilien in unmittelbarer Nähe zu Windenergieanlagen auch kaum an Wert.

Menü