Wo in Europa gilt das Bestellerprinzip beim Immobilienkauf?

Das Bestellerprinzip ist in der deutschen Politik zurzeit ein viel diskutiertes Thema. Bislang kommen sowohl Käufer als auch Verkäufer für die bei der Immobiliensuche anfallende Maklercourtage auf, oder sogar der Käufer allein. Mit Einführung des Bestellerprinzips würde sich dies ändern. Derjenige, der den Makler bestellt, muss ihn laut dieser Regelung auch bezahlen. Doch wie sieht es mit unseren europäischen Nachbarn aus?

Derzeitiger Stand in Deutschland

In Deutschland denkt man derzeit offen über die Einführung des Bestellerprinzips nach. Grüne und Linke, wie auch Bundesministerin der Justiz und SPD-Vorstandsmitglied Katarina Barley sprechen sich dafür aus, obwohl viele Makler die Sache eher kritisch sehen. Momentan ist es Ländersache, wer denn für die Maklercourtage aufkommen muss. In den meisten Bundesländern, beispielsweise in Bayern, Baden-Württemberg oder Sachsen wird die Gebühr geteilt. In Hamburg, Bremen oder Brandenburg zum Beispiel zahlt der Käufer die komplette Summe jedoch allein. Die Höhe variiert wieder je nach Bundesland, liegt aber in der Regel zwischen drei und sieben Prozent des Kaufpreises, zuzüglich der Mehrwertsteuer von 19 Prozent. Lediglich für Mietobjekte wurde das Bestellerprinzip 2015 eingeführt, für Kaufimmobilien gilt es allerdings noch nirgendwo in Deutschland. Anders ist es bei unseren Nachbarn.

Hier zahlt in der Regel der Verkäufer

Sowohl in Frankreich, den Niederlanden und der Schweiz gilt in der Regel das Bestellerprinzip, auch wenn es hier im Detail natürlich einige Unterschiede gibt. Wer in Frankreich einen Immobilienmakler, einen „Agent Immobilier“ beauftragt, zahlt üblicherweise die Courtage von fünf bis zehn Prozent des Kaufpreises, plus 20 Prozent Umsatzsteuer. Eine eher seltene Ausnahme muss vertraglich geregelt sein, in diesem Fall können die Kosten allerdings zwischen Käufer und Verkäufer geteilt werden. Die Reinform des Bestellerprinzips findet man in der Schweiz und den Niederlanden. Anders lautende vertragliche Vereinbarungen sind hier unzulässig. Wer den Makler beauftragt, muss ihn bezahlen und das trifft in der Regel den Verkäufer.

In Österreich wird geteilt

Die derzeitige Regelung in unserem Nachbarland Österreich gleicht der der meisten deutschen Bundesländer. Käufer und Verkäufer teilen sich hier die Courtage zu gleichen Teilen. Erste Auseinandersetzungen mit dem Bestellerprinzip beziehen sich auch hier auf Mietobjekte, wobei es in Österreich stark am politischen Bestreben einer Durchsetzung mangelt. Demnach scheinen Österreicher sogar noch länger auf das Bestellerprinzip warten zu müssen als wir.

Da sowohl Kritiker als auch Befürworter des Bestellerprinzips gerechtfertigte Argumente an den Tag legen, bleibt wohl noch unklar, ob und wann eine eventuelle Regelung in Deutschland eintreten wird. Beim Blick über die Grenzen wird allerdings klar: Innerhalb von Europa sind die Regelungen ganz unterschiedlich.

Menü