Wohnungen entstehen oft am falschen Ort

Es ist allgemein bekannt, dass in deutschen Großstädten ein enormer Mangel an Wohnungen herrscht. Neubauten entstehen allerdings weniger in Metropolen, wo sie so dringend benötigt würden, sondern eher in ländlichen Regionen oder gänzlich auf dem Land, wo weniger Einwohner leben. Das geht zumindest aus einer aktuellen Datenauswertung des Statistischen Bundesamts Wiesbaden hervor.

Wo wird am meisten gebaut?

Für die Statistik wurden Neubauzahlen für das Jahr 2017 verwendet und ins Verhältnis zur Einwohnerzahl in den Gemeinden gesetzt. Nachfolgend entstand eine Gemeindekarte, in der klar erkennbar wird, wo in Deutschland gemessen an der Einwohnerzahl am meisten gebaut wird. Dies ist vor allem im Nordwesten Deutschlands, im Emsland und im südlichen Ostfriesland der Fall. Auch südwestlich von Hamburg, in der Lüneburger Heide und im südlichen Brandenburg gibt es ordentlichen Zuwachs an Neubauten. In Bayern und in Teilen des Südosten Baden-Württembergs lassen sich ebenfalls viele neu gebaute Wohnungen finden. Insgesamt wurden deutschlandweit im Jahre 2017 rund 285.000 neue Wohnungen fertiggestellt. Obwohl für das Jahr 2018 noch keine offiziellen Zahlen vorliegen gehen Experten davon aus, dass die Zahlen der Neubauwohnungen erneut gestiegen sind.

Ungleichgewicht zwischen Neubauverhältnis und Einwohnerzahl

Claus Michelsen, Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und Wohnungsmarktexperte bestätigt, dass die Neubautätigkeit vor allem auf dem Land insgesamt steigt. Aufgrund der niedrigen Zinsen sei dies wenig überraschend, immerhin machen diese Investitionen den Immobilienmarkt besonders attraktiv. „Aufhorchen lässt jedoch, dass die Intensität je Einwohner in vielen ländlichen Regionen größer ist als in den Städten, wo eigentlich die Knappheit groß ist“, merkt Michelsen an. Das kann unter anderem daran liegen, dass der Zuzug, also die Einwohnerzahl in vielen Regionen Deutschlands schneller steigt als die Bautätigkeit, was das Verhältnis weiterhin im Ungleichgewicht hält. Wo allerdings weniger Menschen zuwandern, lässt sich anhand der Einwohnerzahl leichter ein gutes Neubauverhältnis messen.

Der Berliner Bezirk Lichtenberg oder Potsdam allerdings gehen mit gutem Beispiel voran und bringen Licht ins Dunkel. Unter den Großstädten entstanden hier 2017 die meisten Neubauten, ganze neun Wohnungen pro 1000 Einwohner wurden in besagtem Jahr hier erbaut und das sind immerhin fast doppelt so viele wie im bundesweiten Durchschnitt. Platz drei und vier im Ranking der deutschen Städte mit über 100.000 Einwohnern belegen Erlangen und Ingolstadt.

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