Wohnungsnot ist das größte Infrastrukturproblem in Deutschland

Wirft man einen Blick in die Ergebnisse des „Global Infrastructure Index“ aus dem Jahr 2018, so wird klar, dass die Bürger Deutschlands mit der Infrastruktur im eigenen Land überdurchschnittlich zufrieden sind, zumindest was Straßen, Wasserversorgung und Flughäfen betrifft. Nur jede vierte Bürger bewertet allerdings die Verfügbarkeit neuen Wohnraums mit gut bis sehr gut, was Deutschland international gesehen in den unteren Bereich dieser Kategorie drückt. Diese Ergebnisse unterstreichen aber eigentlich nur, was schon längst bekannt ist. Wohnungsnot ist und bleibt das größte Infrastrukturproblem in Deutschland.

Der internationale Vergleich

Unter den insgesamt 29 Ländern, die im „Global Infrastructure Index 2018“ verglichen wurden, sind nur die Brasilianer noch unzufriedener mit dem Immobilienangebot und stärker von der Wohnungsnot betroffen. Hier sind nur 20 Prozent, also jeder Fünfte mit der Wohnraumsituation so zufrieden, dass sie sie mit gut bewerteten. Die Ergebnisse sprechen für das gravierende Problem der Wohnungsnot in Deutschland, da die Deutschen ansonsten eigentlich bemerkenswert zufrieden mit ihrer Infrastruktur sind. Trotzdem ist das Problem weltweit gesehen eher zweitrangig. Nur 36 Prozent der global Befragten geben an, dass effektiver in Wohnraum investiert werden muss, viele sehen Probleme in der Infrastruktur weniger in der Wohnungsnot, sondern eher im örtlichen Straßennetz. Womit die Deutschen allerdings sehr zufrieden sind, ist der Infrastruktursektor der Wasser- beziehungsweise Abwasserversorgung. Drei von vier Bürgern, also 75 Prozent bewerten diesen Sektor durchweg positiv, während die Italiener im Vergleich nur zu 29 Prozent mit ihrer Wasserversorgung zufrieden sind. Fast die Hälfte aller Deutschen (47%) ist allerdings der Meinung, dass allgemein nicht genug unternommen wird, um die Infrastrukturbedürfnisse und darunter auch die Wohnungsnot aufzubessern.

Deutsche fürchten soziale Ungleichheit

Dr. Robert Grimm, Direktor von Ipsos Public Affairs sieht in den Ergebnissen des aktuellen „Global Infrastructure Index“ einen Indikator der fortschreitenden Gentrifizierung in deutschen Städten. Einher mit der Wohnungsnot geht die Furcht vor Armut und sozialer Ungleichheit, da „hohe Mieten Teil von Verdrängungsmechanismen sind und das Gefühl von gesellschaftlicher Benachteiligung schüren.“ Da sich der Großteil der Bevölkerung Mieten in zentralen Metropolen kaum leisten kann, beäugt er die Mietbremse als Mittel gegen die Wohnungsnot eher kritisch. Sicher ist er sich aber, dass die Wohnungsnot in Deutschland großen Druck auf die Politik ausübt, was hoffentlich bald effektivere Methoden hervorbringt, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

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